All Saints High - Der Rebell (L. J. Shen)

Veröffentlicht am 1. März 2021 um 09:05

Von Emma

Luna Rexroth und Knight Cole sind schon immer beste Freunde, und fast genau so lang ist Luna in Knight und Knight in Luna verknallt. Inzwischen ist Luna 19 und Knight 18 Jahre alt und es knistert gewaltig zwischen den beiden. Aber das ist nicht alles...

Och nee, könnte man denken, schon wieder eine Lovestory, bei der jeder von Anfang an weiß, dass die beiden Hauptpersonen irgendwann zusammenkommen. Ich habe das auch gedacht, und gehört habe ich den Roman trotzdem. Zugegeben, ich fahre auch auf billige und vorhersehbare Lovestories ab, aber dieses hier ist in Wahrheit weder billig noch vorhersehbar. Es ist einfach nur… wie zehn Kugeln von dem selbstgemachten Vanilleeis meiner Oma mit noch mehr Sahne. (Okay, sechs Kugeln, sonst wird einem ja schlecht.) Und das beste an „Der Rebell“?

Ganz klar die Tatsache, dass die beiden Protagonisten ein RICHTIGES Leben haben. Also nicht so eins, das um die Liebesgeschichte rundherum gebastelt ist, sondern eines, in das die Lovestory perfekt hineinpasst. So wie Arsch auf Eimer. Denn in Lunas und Knights Leben gibt es so viel mehr als nur das Drama zwischen ihnen: Luna ist selektive Mutistin. Das bedeutet, dass sie zwar theoretisch sprechen kann, das aber nicht funktioniert, die Worte also nicht aus Luna herauskommen. Und Knights Mutter leidet an einer seltenen, unaussprechlichen und todbringenden Lungenkrankheit. Die beiden kämpfen also mit noch viel schlimmeren Problemen als nur ihrer verkorksten Beziehung.

In „der Rebell“ sind außerdem viele Sprünge zwischen Zeit und Personen eingebaut, etwas, was ich eigentlich auch nicht so ganz mag. Aber ich glaube, ich muss meine Meinung darüber ändern. Bei „der Rebell“ wirkten sie so natürlich und sie machen die Geschichte auch viel authentischer, weil die Story dadurch etwas unregelmäßig wirkt: an manchen Tagen passiert richtig viel auf einmal und dann gibt es auch „ruhige Zeiten“, die übersprungen wurden. Dadurch wirkt das alles soooo viel realer!

Ich habe dieses Hörbuch zufällig bei Spotify gefunden, und ich war sofort (das heißt nach… einem Kapitel oder so) bis in die Haarspitzen in Luna und Knight verknallt. Also, so richtige Liebe, meine ich. Die ich-heirate-dich-und-werde-auf-ewig-glücklich-mit-dir-Liebe. Ich schwöre. Müsste ich das Buch mit einem Schuh vergleichen, wäre es ein Paar Ballerina. Wunderschöne, die trotzdem gemütlich genug sind, sie mindestens zweimal pro Monat zu tragen, wenn es (endlich) etwas wärmer wird, und die nicht so schnell ausgelatscht sind. „Der Rebell“ von L. J. Shen ist der zweite Band der All Saints High Reihe, das Hörbuch erschien bei LYX Audio und Corinna Dorenkamp und Julian Horeyseck lesen es einfach wunderbar.

Ich finde, wir schenken den Vorlesern eines Hörbuchs viel zu wenig Beachtung, und das ändere ich jetzt. Vor allem Julian Horeyseck verleiht Knight einfach passend seine Stimme. (Org, dass war komisch formuliert.) Und auch Luna und Corinna Doremkamp passen zusammen wie Topf und Deckel.

Aber ich habe trotzdem einen winzigen Kritikpunkt: Manchmal war es echt schwer zu erkennen, ob Luna sich in der Gebärdensprache ausdrückt oder ob sie richtig spricht. Aber:

Schlagt „der Rebell“ auf (oder startet das Hörbuch) und verliebt euch in Luna und Knight. Wenn ich bitten darf.

 

Autorin: L. J. Shen

464 Seiten

Altersempfehlung: ab 16

Erscheinungsjahr: 2020

Verlag: LYX

Orginaltitel: Broken Knight

Übersetzerin: Anja Mehrmann

Länge des Hörbuchs: 12 Stunden 34 Minuten

Sprecher*innen: Corinna Dorenkamp und Julian Horeyseck

Nachtrag am 13.03.

Ich habe in letzter Zeit etwas mehr über toxische Beziehungen nachgedacht und wie ich zu ihnen stehe. Eine Beziehung ist toxisch, wenn sie auf Dauer mehr Kraft nimmt als sie gibt und es ist ein bisschen wie eine Dusche, aus der abwechselnd heißes und eisiges Wasser kommt. 

So eine Beziehung ist nicht gut für die Seele und in der Realität ist das echt unwahrscheinlich. Vor allem, wenn es so krass ist wie hier bei "der Rebell". Das Problem ist, dass diese Beziehung beim Lesen gar nicht so falsch zu sein scheint und dass mir das dann auch erst auffällt, wenn ich fertig bin mit dem Buch. 

Außerdem wird eine solche Beziehung immer so dargestellt, als dass am Ende doch alle Beteiligten glücklich sind und dass diese Lösung auch die einzige Lösung ist. Die Protagonisten sind ja auch alleine nicht glücklicher. 

Ich liebe "Der Rebell" trotzdem, aber ich muss mir das alles im Hinterkopf behalten.


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Kommentare

Leseratte
Vor 2 Jahr

Hallo Emma ohne Schnickschnack,
ich finde euren Blog richtig gut, besonders, dass ihr so viel Wert auf Gleichberechtigung legt (Bücher*innen ist so unglaublich lustig und einfallsreich). So, wie sich dieses Buch anhört, könnte dir vielleicht auch "Das Gegenteil von einem Hasen" gefallen (dort geht es unter anderem, so weit ich es in Erinnerung habe, auch (ein bisschen) um die Periode). Das Buch kann ich wirklich einfach nur empfehlen, es ist wunderbar schnörkellos und...ah...ich weiß auch nicht, perfekt. Wie ich es zuerst gelesen habe (da war ich zehn...bissle früh vielleicht) mochte ich den Schreibstil nicht so und fand es auch ein bisschen kompliziert, aber jetzt LIEBE ich es.
Ganz viele buchige Grüße aus der Oberrheinischen Tiefebene!
Leseratte

Emma ohne Schnickschnack
Vor 2 Jahr

Hey Leseratte,
Gleichberechtigung finden wir auch echt wichtig! Das Gegenteil von Hasen haben Clara und ich beide gelesen und zumindest ich liebe es! Es ist eindeutig ein perfektes Buch. Und es geht da ja auch ein bisschen um Selbstbefriedigung, was ja ein weiteres unnötiges Tabuthema ist. (Über das ich allerdings selbst nicht so gerne rede...)
Habe auch gerade mal die oberrheinische Tiefebene gegoogelt... ist es schön da?
Jedenfalls Grüße zurück aus dem Taunus.
Ich meine natürlich buchige Grüße mit uu.
Emma